Der SPIEGEL fragt - wir antworten

Auf Anfrage der Journalistin der SPIEGEL-Redaktion Berlin, Frau Ehrenhauser, haben wir folgende Fragen bezüglich unseres Ehrenamtsprojektes "Nebenan in Afrika" beantwortet. Der Artikel im SPIEGEL am 20.10.2018 gibt in keiner Weise die Fakten wieder. Ohne sachlichen Grund baut die Journalistin Mutmaßungen und Wertungen ein. Gegen die Behauptung, wir hätten fälschlicherweise das Bundeentwicklungsministerium als Förderer angegebenen verwahren wir uns: bereits bei der Beantwortung der Nachfragen am Donnerstag, 18.10., haben wir dies korrigiert. Anett Kropp war eine Verwechslung unterlaufen (dies hat sie der Journalistin auch so mitgeteilt).

In dem Artikel wird auf unser Fachkräfte-Projekt „Kita Mallorca“ aufgegriffen, obwohl der Vorsitzende, Bernd Sievers, der Journalistin erläuterte, dass Anfang der kommenden Woche hierzu auf der Basis eines Fragenkatalogs des Bundes- und des Landesverbandes eine ausführliche Unterlage veröffentlicht wird. Der Vorsitzende beklagte auch gegenüber der Journalistin deutlich, dass bislang viele Bewertungen geäußert werden, ohne dass die Personen oder Institutionen tatsächlich Sachkenntnis oder sich überhaupt darum bemüht hätten. In diese Gruppe reiht sich nun auch der SPIEGEL ein. Allein die Sätze „Auch der Zweck der luxuriösen Kita scheint fragwürdig. Vorgeblich sollen unter den örtlichen spanischen Erziehern Fachkräfte für Deutschland gewonnen werden.“ offenbaren eigene Klischees und Vorurteile. Zur Brisanz des Themas Fachkräfte empfehlen wir der Journalistin den SPIEGEL-online-Artikel „Kaum Plätze für Zweijährige. Verheerender Kitaplatzmangel in Deutschland“ vom 21.10.2018 mit dem Zitat „Experten befürchten, dass sich die Versorgungslücke in den nächsten Jahren wegen des Erziehermangels vergrößert.“

SPIEGEL: Was wird von deutscher Seite vor Ort alles geleistet? Also in welcher Form werden die Projekte in Gambia und Togo unterstützt?

Wir („Nebenan in Afrika“) sind in Togo als NGO durch den Staat anerkannt, in Gambia als Hilfsprojekt gelistet und bereiten gerade die NGO Anerkennung vor.

Durch das Projekt wurden mit Hilfe der BINGO Stiftung, der Nord-Südbrücken sowie Spenden die Kindergärten in Togo und Gambia gebaut. Wir unterstützen je einen Kindergarten in Koumondé (Togo) und Fajikunda(Gambia), was die Ausstattung der Räumlichkeiten mit Mobiliar, Anschauungsmaterialien sowie methodischen Materialien betrifft. Dabei geht es darum, dass sie zwar eine Starthilfe von uns erhalten aber dann selbstständig arbeiten. Hilfe zur Selbsthilfe!

Des Weiteren unterstützen wir in Gambia die Wasserrettung in Bakau, die Rettungsstation der Feuerwehr sowie die Krankenstation in Koumondé (Togo) mit medizinischen Materialien, die durch Kliniken, privat niedergelassene Ärzte sowie Privatpersonen gespendet wurden. Diese Materialien werden einmal jährlich in einem Container gesendet, der von Mitgliedern des Projektes in ihrer Freizeit gepackt werden und dann vor Ort durch uns an die vorgesehenen Stellen übergeben werden. Die Containerkosten werden ebenfalls nur durch Spenden finanziert. Wir unterstützen über 70 Patenkinder.

SPIEGEL: Wie viele Kinder werden dort jeweils von wie viel Personal unterrichtet?

Die personelle Ausstattung kann nicht mit unserem Standard verglichen werden. Die Einrichtungen werden jeweils von ca. 110 Kindern besucht. In jedem Kindergarten arbeiten 3 Erzieherinnen. Für afrikanische Verhältnisse handelt es sich um eine durchschnittliche Gruppenstärke. In Togo werden diese (nach dem Bau des neuen Kindergartens) durch den Staat bezahlt. In Gambia erhalten die Erzieherinnen eine finanzielle Unterstützung durch Spenden von Privatpersonen aus Deutschland.

SPIEGEL: Wie genau läuft die Ausbildung der Erzieherinnen, die vor Ort arbeiten, ab und sind dies Einheimische?

Die Erzieherinnen sind Einheimische. Sie haben die Ausbildung in Gambia und Togo absolviert. In Gambia wurden sie durch den Ältestenrat ausgewählt und durch die Nursery School Association bestätigt und geschult. In Togo wurden die Erzieherinnen durch den Inspekteur für Bildung eingestellt. Auch in Togo werden sie durch das zuständige Amt geschult.

SPIEGEL: In Ihrer Pressemitteilung vom 3. Oktober ist die Rede davon, dass Sie mit den Kitas auch dem „Fachkräftemarkt regional und überregional gerecht werden“ wollen. Heißt das, es geht in den Projekten in Gambia und Togo auch konkret darum, Fachkräfte nach Deutschland zu holen?

Diese Aussage bezieht sich nicht auf die Kindergärten in Gambia und Togo.

SPIEGEL: Wie viel Geld floss seit Projektgründung bzw. fließt jährlich nach Gambia und Togo?

Wir haben bisher über 70 Patenkinder vermittelt. Die Paten übernehmen die anfallenden Gebühren für die Schulbildung. Mit den Gebühren werden die Schuluniformen, Schuhe und Schulmaterialien durch die Eltern bezahlt. Dieses Geld wird zu Schuljahresbeginn überwiesen. Außerdem werden die drei Erzieherinnen in Gambia durch 3 Spender unterstützt. Ansonsten übergeben wir ausschließlich Sachspenden. Wenn wir vor Ort sind, geben wir unser Wissen bei Bedarf weiter (z.B. Schulung zum Thema Hygiene oder was bedeutet Ehrenamt, methodisches Fachwissen…) und führen Veranstaltungen mit Kindern durch (Sportfest, Bastelnachmittag, Fußballtraining…).

SPIEGEL: Wie genau verhält es sich mit der Struktur bzw. Organisation, sprich was bedeutet, dass sich die Kitas „unter dem Dach“ der AWO befinden?

Das Ehrenamtsprojekt „Nebenan in Afrika“ befindet sich unter dem Dach der AWO. Der AWO Kreisverband Schwerin-Parchim e.V. ist als tragende Organisation gegenüber den Behörden und den örtlichen Autoritäten auf. Koumondé und Fajikunda haben daher formal dem AWO Kreisverband jeweils ein Grundstück zum Bau der Kitas zur Verfügung gestellt. Nach dem Bau sind die Kitas in die Eigenverantwortung der Orte übergeben worden.

SPIEGEL: Werden mit Hilfe bzw. über die AWO Spenden für die Projekte gesammelt?

Die Spenden werden nur durch das Projekt „Nebenan in Afrika“ gesammelt. Da es ein Projekt unter dem Dach der AWO ist, stellt der Kreisverband bei Nachfrage die Spendenquittung aus.

SPIEGEL: Fließt direkt Geld vom AWO Kreisverband in die Projekte oder gibt es sonstige finanzielle, materielle oder logistische Unterstützung?

Der AWO Kreisverband unterstützt das Projekt, in dem die finanzielle Abwicklung durch die Buchhaltung der Verwaltung übernommen und überwacht wird.

SPIEGEL: Was genau bedeutet in diesem Fall, dass die Projekte „ehrenamtlich“ sind, leisten also die beteiligten Personen die Arbeit komplett unbezahlt und ausschließlich in ihrer Freizeit?

Das Projekt wird komplett ehrenamtlich geführt. Die Projektarbeit wird in der Freizeit durchgeführt. Alle Reisen (Flüge, Unterkünfte, Verpflegung und Transportkosten) werden aus privaten Mitteln der jeweilig Mitreisenden gezahlt. Privater Urlaub muss dafür genommen werden. Der Geschäftsführer wurde beauftragt, die Eröffnung zu begleiten. Dies war angesichts der Erwartungshaltungen vor Ort erforderlich, da sich zur Eröffnung das Bildungsministerium Togo, die Deutsche Botschaft (Botschafter) und Medienvertretern (ZDF) angesagt hatten und dabei waren.

SPIEGEL: In welcher Form und Höhe werden die Projekte vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie von den anderen auf der Website von nebenan-in-afrika.de unterstützt?

Über die Nord-Süd-Brücken haben wir eine Summe von 7000 € für den Bau des Kindergartens in Togo erhalten. Alle anderen aufgeführten Spender haben Kindermöbel für den Kindergarten in Gambia angefertigt, Süßwaren gespendet, stellten Anhänger für den Transport von Sachspenden zur Verfügung, haben Sachspenden übergeben, säubern und bestimmen die Gläserstärken von gespendeten Brillen, spendeten einen ausgemusterten Transporter für die 11 Wasserrettungsstationen in Gambia, unterstützen uns bei den Containertransporten.

SPIEGEL: Ich würde darum bitten, weil die Frage evtl. nicht klar genug formuliert war, kurz zu beantworten, inwiefern möglicherweise Geld von Ihrem Kreisverband in die Projekte fließt und ob bei den beiden Projekten auch Elternbeiträge vor Ort zu entrichten sind bzw. irgendwelche Kosten vor Ort übernommen werden?

In Gambia werden Kindergärten nicht durch den Staat finanziert. Die Eltern zahlen einen kleinen Beitrag von umgerechnet ca. 1,50 €. Ansonsten erhalten die Erzieherinnen den o.g. kleinen Zuschuss zu ihrem Gehalt aus Spenden. In Togo werden die Erzieherinnen durch den Staat finanziert. Der Kreisverband zahlt nichts für die Projekte. Er stellt lediglich Verwaltungsleistungen.

SPIEGEL: Des Weiteren wäre es natürlich gut, wenn Sie mir noch kurz sagen könnten, ob und falls ja, wo es noch weitere AWO-Kitas im Ausland vom Kreisverband Schwerin-Parchim gibt?

Der AWO Kreisverband Schwerin-Parchim e.V. entwickelt in Santa Maria del Camí (Mallorca) aktuell eine Kindertagesstätte. Ziel ist hier nicht die Entwicklungsarbeit, sondern eine hochqualitative Außenstelle zur Fachkräftegewinnung für den Kitabereich im Verbandsgebiet in Deutschland. Diese Kita in Santa Maria del Camí (Mallorca) kooperiert im der Fachschule Erziehung in Palma und wird ab dem 1.1.2019 von dort Praktikanten ausbilden. Ziel des sich entwickelnden Projekts ist es, Absolventen der Fachschule nach Deutschland zu lotsen und so den bereits bestehenden und wachsenden Fachkräftebedarf zu decken. Der Kreisverband hat im Pflegebereich hier bereits Erfolge mit mallorquinischen Auszubildenden gesammelt.

(Auf Nachfrage des SPIEGEL wurde das Frage-/Antwort-Spiel am 18.10.2018 fortgesetzt.)

SPIEGEL: „Nebenan in Afrika“ ist kein eingetragener Verein, sondern konkret ein „Ehrenamtsprojekt“ unter dem Dach der AWO? Habe ich das so korrekt verstanden? Sie sind auch nicht als AWO Kreisverband bzw. mit Nebenan in Afrika Teil von AWO International?

Nebean in Afrika ist kein eingetragener Verein, sondern ein Ehrenamtsprojekt unter dem Dach der AWO.

Wie schon beschrieben, sind wir in der Freizeit und im Urlaub sehr engagiert. So haben wir vor zwei Wochen einen Container mit Sachspenden mit einem Gesamtgewicht von 8 Tonnen verschifft, die wir alle persönlich mit eigenem PKW und eigenen Spritkosten von den Spendern abgeholt, durchgeschaut und verladen haben.

Der AWO KV bzw. das Ehrenamtsprojekt sind nicht Teil von AWO International.

SPIEGEL: Welche Sprachen werden in den Kitas in Gambia und Togo gesprochen?

In Togo wird in der Amtssprache Französisch und in Gambia in der Amtssprache Englisch unterrichtet.

SPIEGEL: Wann wurden die beiden Kitas jeweils gegründet bzw. seit wann gibt es die beiden ehrenamtlichen Projekte?

2009 wurde das Ehrenamtsprojekt gegründet und damit begann die Unterstützung der beiden damals schon bestehenden Kindergärten in Togo und Gambia.

SPIEGEL: Sie schrieben, dass Sie über die Nord-Süd-Brücken und damit vom BMZ eine Summe von 7.000 Euro für das Projekt in Togo (gemeint war wohl Gambia) erhalten haben. Seitens des BMZ sagte man mir jedoch, dass die AWO Schwerin-Parchim bzw. das Ehrenamtsprojekt Nebenan in Afrika nicht aus Mitteln des Bundesentwicklungsministeriums unterstützt wurden. Wieso listen Sie dennoch das BMZ als Spender und werden Sie dies weiterhin tun?

Entschuldigung. Hierbei handelt es sich um ein Versehen im Rahmen einer früheren Beantragung.

Wir haben dies schon auf der Internetseite des Projekts korrigiert.

SPIEGEL: Grundsätzlich würde ich gerne wissen, wie sich die gesamte Finanzierung der Projekte genau zusammensetzt? Bei dem Kindergarten in Togo handelte es sich laut Nord-Süd-Brücken um eine Projektsumme von 35.368 Euro (http://nord-sued-bruecken.de/index.php?id=125&a=1&f=132140) ist dies so korrekt?

Wie hoch ist die Projektsumme in Gambia?

Bezogen auf beide Projekte würde ich um konkretere Angaben zur Finanzierung bitten, besonders, wie sich die größten Anteile finanzieren.

Ja, es ist so korrekt.

Die Projektsumme betrug für Togo               35.368,00 €

- Kita Togo 09/2013 bis 03/2016

Förderung NUE-Stiftung (Bingo)                20.231,06 €

Förderung Nord-Süd-Brücken                      7.000,00 €

Rest Eigenmittel

Die Projektsumme betrug für Gambia          22.790,00 €

- Kita Gambia 03/2016 bis 09/2017

Förderung NUE-Stiftung (Bingo)                15.475,03 €

Rest Eigenmittel

Die Verwendung dieser Mittel musste exakt in Verwendungsnachweisen dargelegt werden. Was nicht verwendet wurde, musste zurückgezahlt werden.

Nicht in der Kalkulation enthalten sind die unzähligen Ehrenamtsstunden der Projektunterstützer, die grundsätzlich in der Freizeit geleistet werden.

SPIEGEL: Die Nord-Süd-Brücken hatten mir etwas mitgeteilt, dass es einen Co-Finanzierer für das Projekt in Togo gab, wer war dies und mit welcher Summe?

Dies war, wie in Punkt 5 ausgeführt, die NUE-Stiftung.

SPIEGEL: Sie schreiben von konkret „3 Spendern“, welche die Erzieherinnen in Gambia unterstützen. Handelt es sich dabei um Privatpersonen? Falls es sich um Institutionen etc. handelt: Welche sind dies konkret?

Es handelt sich hier um Privatpersonen.

SPIEGEL: Waren Sie als Geschäftsführer bei der Eröffnung beider Kitas und nur dafür jeweils vor Ort? Wie teuer waren die Reisen und wie genau wurden sie finanziert?

Der Geschäftsführer war ausschließlich zur offiziellen Eröffnung der Kita in Togo.

Reiseverlauf

Mittwoch           Abfahrt in Schwerin 3 Uhr nachts/Ankunft in Lomé am späten Abend

Donnerstag     Vormittag Gespräch mit dem deutschen Botschafter, danach Weiterfahrt nach Sokodé

Freitag              Besuch des Kindergartens, Entgegennahme des Containers entladen, sortieren, verteilen/Einrichtung der Kita mit Mobiliar bis spät abends

Samstag         offizielle Eröffnung

Montag           Empfang durch den Bürgermeister von Sokodè, Besichtigung der Berufsausbildungsstätte

Dienstag         Rückfahrt nach Lomé

Mittwoch         Rückreise

Reisekosten

Flug                             538,00 €

Hotel, Mietwagen       413,67 €

Die Kosten sind selbstverständlich vom AWO Kreisverband Schwerin-Parchim e.V. übernommen worden. Der Geschäftsführer ist nicht aus privatem Interesse dorthin gefahren, sondern weil die feste Erwartung auf afrikanischer Seite nach einem hochrangigen Vertreter bestand. Angesichts dem dann vor Ort stattfindenden Ablauf mit diplomatischer Begleitung der deutschen Botschaft war dies auch richtig. Der Vorsitzende selbst kam nicht in Frage, da er nur äußerst ungern soweit fliegt.

Der Geschäftsführer war nie in Gambia.

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