Für ihre Schützlinge im Einsatz

Artikel SVZ: Bei Rebecca Kirsch vom „Deja-Vu“ stehen die Kinder an erster Stelle. Im AWO-Treffpunkt bestimmen die Besucher über das Programm.

Christina Köhn/ Neu Zippendorf: Noch ist es ruhig im Awo-Treffpunkt „Deja-Vu“. Der Fernseher läuft nicht, die Kugeln auf dem Billardtisch liegen geordnet, die Männchen der beiden Tischkicker stehen still. Kein „Ping-Pong“ von der Tischtennisplatte ist zu hören. Doch das wird sich gleich ändern. Unter der Woche tummeln sich in dem großen Raum mit dem bunten Graffiti an der Wand täglich am Nachmittag bis zu 20 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

„Dann ist es immer laut“, sagt Rebecca Kirsch. Die staatlich anerkannte Erzieherin kümmert sich um die Rasselbande, behält den Überblick im Gewusel. Sie hilft bei Hausaufgaben und Bewerbungsschreiben, vermittelt bei Problemen einen Ansprechpartner und hört zu. Das ist das Wichtigste. „Ich habe immer ein offenes Ohr und merke den Kindern an, dass sie ein hohes Mitteilungsbedürfnis haben“, erzählt sie. „Wir sollten generell mehr hören, was Kinder sagen.“

Im „Deja-Vu“ wird viel auf die 6- bis 27-Jährigen gehört, die hier einen Raum zur Entspannung finden sollen und dafür Regeln erstellt haben. Jeden Monat erarbeiten Rebecca Kirsch und Treffpunkt-Leiter Frank Piskulski zudem gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen einen Monatsplan, was täglich in der zweistündigen Angebotszeit passiert. „Heute kochen wir zum Beispiel ein arabisches Gericht“, erklärt die 24-Jährige. „Wir haben das Thema Integration vom Stadtteilmanagement in die Einrichtung übernommen und lernen nun die Kulturen der Länder kennen, aus denen unsere Besucher kommen.“ Auch Bastelangebote oder kleine Turniere und Wettkämpfe stehen auf dem Monatsplan.

Gemeinsam mit drei ehrenamtlichen Helfern, einer Absolventin des Bundesfreiwilligendienstes und ihrem Chef ist Rebecca Kirsch für ihre Schützlinge im Einsatz. „Ich möchte Kindern helfen, denen es nicht gut geht“, sagt die 24-Jährige, die während ihrer Zeit in einer Wohngruppe von zwei Erzieherinnen geprägt wurde. „Sie haben mir gezeigt, dass mein Leben besser sein kann.“ Da stand der Berufswunsch fest: Die Arbeit mit Jugendlichen.

Während eines Praktikums ist sie dann im „Deja-Vu“ gelandet und wollte nicht mehr weg. Nun gehört sie seit August 2017 zum Team. „Ich liebe es, wie sich meine Arbeit gestaltet. Ich kann individuell auf Schwächen und Stärken eingehen.“

Treffpunkt-Leiter Frank Piskulski ist froh, die lebensfrohe Schwerinerin an seiner Seite zu haben. „Sie ist wichtig für die Kinder- und Jugendsozialarbeit, wir ergänzen uns gut und arbeiten vertrauensvoll zusammen. Bei ihr kommen die Kinder an erster Stelle, sie liegen ihr am Herzen.“ Ein fester Ansprechpartner sei wichtig für die Kinder und Jugendlichen.

Mittlerweile hat sich der Raum gefüllt, die Lautstärke steigt an und die ersten Düfte aus der Küche ziehen durch das „Deja-Vu“. „Wir arbeiten eng mit anderen Verein und Verbänden zusammen, bieten im Sommer gemeinsam mit dem Jugendhaus Lankow ein Ferienlager an“, sagt Rebecca Kirsch. „Und freuen uns über eine neue Küche im Mai, um vielleicht auch mit den Eltern kochen zu können.“

Sie ist froh, dass der Jugendbereich wieder mehr wahrgenommen werde. „Jeder braucht eine Prise Glück und Menschen, die einem helfen, um bestehen zu können.“ Die Kinder im Awo-Treffpunkt waren laut genug, um gehört zu werden.

Quelle © Christina Köhn (SVZ/05.04.2019)

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