Geschenke aus der Wickeltasche

Aktion „Baby Willkommen“: Badeente, Kapuzenhandtuch, Thermometer und jede Menge Informationen für Neu-Schweriner

Wenn neun Monate Schwangerschaft, Geburt und die ersten aufregenden Wochen mit den Baby zu Hause vorbei sind, dann soll er langsam wieder einkehren: der Alltag. Aber der Alltag mit Kind sieht eben doch ganz anders aus als der Alltag allein. Diverse Fragen tauchen erst im Laufe der Zeit auf. Genau hier möchte Marleen Altwein ansetzen. Sie ist die Frau hinter dem Projekt mit dem freundlichen Namen „Baby Willkommen“.
Seit 2013 schickt die Stadt allen jungen Eltern einen Brief und bietet an, Kontakt mit dem kostenlosen Service aufzunehmen, der über alle Angebote rund ums Kind informiert. Anonym geht das übers Internet unter www. schwerin.de. Wer den persönlichen Kontakt möchte, der trifft wenig später auf Marleen Altwein, ihre Geschenketasche und ihre Tipps. Die studierte Soziologin und Erziehungswissenschaftlerin ist angestellt bei der Awo Soziale Dienste und hat ihren Arbeitsplatz im Café Fun in der Kieler Straße 31a. Das Geld für ihre Stelle gibt allerdings die Stadt. „Es ist eine freundliche Geste, eine durchweg positiv besetzte freiwillige Leistung der Stadt“, sagt Awo-Fachbereichsleiter Steffen Marquardt. „Sie gibt den Menschen wirklich das Gefühl, hier gewollt und willkommen zu sein.“
Knapp 140 Familien hat Marleen Altwein im vergangenen Jahr getroffen, 2014 waren es noch 81, im Startjahr 2013 nur 21. Die jungen Eltern kommen aus allen Stadtteilen, die meisten aus der Altstadt, gefolgt von Mueßer Holz und Weststadt. „Alle Eltern haben Fragen, die mit akademischem Hintergrund genauso wie die aus sozialen Brennpunkten“, sagt Cornelia Hartwig, die bei der Awo die Frühen Hilfen koordiniert. Die einen wollen über frühkindliche Förderkurse wie Babyschwimmen oder Pekip etwas erfahren, die anderen haben existentielle Sorgen. Zehn Prozent der jungen Eltern, die „Baby Willkommen“ genutzt haben, waren im vergangenen Jahr übrigens Migranten. „Zu den Gesprächen organisiere ich mir dann Sprachmittler, früher meistens russische, heute brauche ich mehr syrische“, sagt Marleen Altwein. Je nachdem, wie es die Eltern wünschen, trifft man sich entweder im Café Fun oder bei den Familien zu Hause, selten an einem ganz anderen Ort.
Die Tasche, die sie mitbringt, wird gesponsert vom Kinderzentrum und kann perfekt als Wickeltasche benutzt werden. Im Innern gibt es kleines Spielzeug wie Wasserball, Badeente, Delfin-Schwamm und Spardose, aber auch ein Kapuzenbadetuch, ein Fieberthermometer, eine Pflegemittelprobe, Söckchen, einen Einkaufsgutschein, eine Schutzhülle für das Heftchen mit den Baby-Untersuchungen. Ebenso wichtig sind die Info-Broschüren, die prall gefüllt sind mit Adressen und Telefonnummern von Ärzten, Kitas, Behörden, Beratungsstellen, Kursanbietern bis hin zu Möbelbörsen. „Ich gehe dieses Familien-Abc mit den Eltern genau durch und wir schauen, was für sie interessant sein könnte“, sagt Marleen Altwein. „Anschließend können sie noch alle möglichen Fragen stellen, auch zu Themen wie Stillen, Ernährung oder Schlafen.“ Wenn mehr Hilfe gebraucht wird, vermittelt Marleen Altwein die Familie weiter. Ihre Arbeit endet nach einem Besuch.
„Zum Schluss frage ich meist, wie zufrieden die jungen Eltern mit Schwerin als familienfreundlicher Stadt sind“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin. „Manchmal wird fehlende Barrierefreiheit bemängelt, einige Spielplätze könnten sauberer sein und die Kita-Anmeldung finden viele schwierig. Aber insgesamt mögen alle Schwerin“, erzählt sie.
Die Willkommensgeschenke für Mutter, Vater, Kind sind übrigens von Schweriner Firmen gespendet – und von Marleen Altwein und Cornelia Hartwig organisiert. Die Wunschliste der beiden Awo-Damen, was noch in die Tasche könnte, ist aber mindestens genauso lang. Darauf sehen unter anderem Babynagelschere, Messlatte aus Folie, Leporello mit Kinderliedern, erstes Bilderbuch, Schnullerkette, Rassel, Gurtschoner, Lätzchen, Body, Wickelunterlage, Kirschkernkissen, Schnuffeltuch, Steckdosensicherung oder Stilltee. Wer helfen möchte, wendet sich am besten an den Begrüßungsdienst unter der Telefonnummer 0385/ 44000269.
Maren Ramünke-Hoefer

Zurück

  Nebenan in Afrika Logo Kita Sa Planera/Santa Maria  
  Stiftung Horizonte