Klartext zur Kita auf Mallorca

Hintergründe zur Kita der Arbeiterwohlfahrt auf Mallorca

Seit 2016 können Kinder auf Mallorca in einer bilingualen Kindertagesstätte des AWO-Kreisverbandes Schwerin-Parchim spielen, lachen, lernen und toben. Abgesehen vom strahlenden Wetter unterscheidet die Einrichtung nur wenig von den Tagesstätten in Mecklenburg-Vorpommern – nur das hier neben Deutsch auch Spanisch miteinander gesprochen wird. Dieses Konzept kommt nicht nur bei Kindern und Eltern, sondern auch bei Ausbildungseinrichtungen und wissenschaftlichen Fachkreisen in Spanien und Deutschland gut an.

Darf die Arbeiterwohlfahrt eine solche Kita betreiben?

Im Verbandsstatut der Arbeiterwohlfahrt werden unter Ziffer 2. Absatz 3 die Aufgaben konkretisiert; danach sieht die AWO auch „die Förderung von Projekten im In- und Ausland, insbesondere der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe“ als einen Teil ihrer Aufgaben an. Die Satzung des AWO Kreisverbandes Schwerin-Parchim e.V. nimmt dies in § 2 Ziffer 13 auf („Förderung von Projekten im In- und Ausland, insbesondere der Entwicklungszusammenarbeit“). Dass die AWO auf der spanischen Insel einen Kindergarten anbietet, hat gleich mehrere Gründe, wie Bernd Sievers, Vorstandsvorsitzender des Kreisverbands Schwerin-Parchim, erklärt: „Im Verbandsstatut der Arbeiterwohlfahrt ist konkretisiert, dass die AWO auch die Förderung von Projekten im In- und Ausland, insbesondere der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe als einen Teil ihrer Aufgaben ansieht.” Deshalb ist die AWO auch mit Kindergartenprojekten in Togo und Gambia aktiv. „Genau das verfolgen wir auch mit der Kita auf Mallorca. In eigener Regie – ohne Fördermittel aus deutschen Ministerien – und mit eigenem Personal. Nach Maßstäben wie in Mecklenburg-Vorpommern und in eigenen Gebäuden setzen wir um, was wir auch in Deutschland gut können.”

Zudem sei die Jugendarbeitslosigkeit von rund 50 Prozent auf Mallorca ein großes Problem, dem sich die AWO bereits mehrfach angenommen hat. So haben insgesamt 40 Spanier eine entsprechende Ausbildung in Schwerin absolviert. Zwei Spanier sind inzwischen in einer festen Anstellung bei der AWO.

Wer arbeitet in der Kita auf Mallorca?

In der Einrichtung in Santa Maria arbeiten neben zwei deutschen Pädagoginnen auch zwei einheimische Fachkräfte. Bis zu 28 Kinder in Halb- und Ganztagsplätzen werden auf Deutsch und Spanisch betreut – nach einer anerkannten Methode zum Erlernen zweier Sprachen im Elementarbereich. Dabei sind auch Plätze für vorübergehende Betreuung verfügbar. „In der deutschsprachigen Gemeinde auf Mallorca herrscht ja immer ein stetes Kommen und Gehen”, sagt Kita-Leiterin Ariane Bartsch. Trotzdem können sie auf einen treuen Stamm von etwa 20 Familien zählen.

Die gemütliche „Kindervilla” in der Ortsmitte bietet neben freundlichen Gruppen- und Funktionsräumen auch ein etwa 1.000 Quadratmeter großes Grundstück mit Spielgeräten sowie Mandarinen- und Zitronenbäumen. Zusätzlich bietet der Kindergarten spielerische Deutschkurse für die Kinder an. Wegen seiner bilingualen Pädagogik ist der AWO-Kindergarten auch für deutsche Bildungseinrichtungen von großem Interesse. Kooperationen mit Universitäten und Fachhochschulen ermöglichen es, dass sich Praktikanten vor Ort ein Bild machen können. Besuch gab es unter anderem auch schon von der Balearen-Universität. „Um den Entwicklungen im Fachkräftemarkt regional und überregional gerecht werden zu können, müssen wir über die Grenzen hinaus globaler denken und uns vernetzen. Kitas in Spanien, Togo oder Gambia sind erste wichtige Schritte in diese Richtung”, so Bernd Sievers.

Welche soziale Notwendigkeit besteht in dem Betrieb der Kita im Ausland?

Der AWO Kreisverband Schwerin-Parchim e.V. hat - beginnend in 2013 - über das Sonderprogramm des Bundesarbeitsministeriums zur „Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen aus Europa (MobiPro-EU)“ spanische Auszubildende für den Bereich der Altenpflege gewonnen. Dies war auch Gegenstand diverser öffentlicher Berichterstattungen (SVZ; OZ; NDR). Seither bestehen intensive Kontakte zur spanischen Administration auf Mallorca. Die Jugendarbeitslosigkeit auf Mallorca ist sehr hoch. Die Idee der Fachkräftegewinnung wurde zu einem späteren Zeitpunkt auch auf den Bereich Kita ausgedehnt. Das „Kitawesen“ in Spanien ist nicht so stark ausgeprägt wie das in Deutschland. Über Kontakte mit der spanischen Verwaltung wurde der Anstoß gegeben, bzw. die Idee geboren, dass die AWO Schwerin mit ihrer Expertise in diesem Bereich auch eine Versorgung mit Kita-Plätzen vor Ort leisten könnte. Das Projekt wurde dann nach und nach entwickelt und hat sich mittlerweile konkretisiert. Die AWO Schwerin-Parchim erhofft sich, über die Kita vor Ort u.a. auch spanische Auszubildende für den hiesigen Bereich Kita gewinnen zu können. Die spanischen Behörden können am fachlichen Knowhow der AWO partizipieren (Fachschule Erzieherausbildung Palma).

Wie finanziert sich die Kita?

Spenden oder Fördermittel von Ministerien oder Kommunen aus Deutschland wurden nicht eingesetzt. Personalkosten und Betriebskosten zum Betreiben der Kita werden ausschließlich aus den Elternbeiträgen bezahlt. Der Kreisverband ist Eigentümer des genutzten Grundstückes und hat eine Option auf ein weiteres Grundstück. Er hat das Gebäude zweckentsprechend hergerichtet. Über ein Kredit sind 400.000 Euro investiert worden. Zudem wurden 162.500 Euro aus Eigenmitteln des Verbandes zum Erwerb des Grundstückes eingesetzt.

Wie oft sind Vorstand und Geschäftsführung vor Ort?

Der Vorstand war jeweils einmal im Jahr 2016 und 2018 zu einem Arbeitstreffen vor Ort.  Hier wurden vor allem das Konzept und der Arbeitsstand zur Kita erörtert, diskutiert und entwickelt. Kontakte und Besuche in spanischen Einrichtungen und Instituten gehörten ebenfalls zum Programm. Zu beiden Terminen waren Entscheidungen zu treffen, die Ortskenntnis und umfangreiche Information und Diskussion erforderten. Der Vorstand tagte zu beiden Besuchen daher jeweils mehrstündig an 2 Tagen. Der Bedarf eines weiteren Besuchs durch den Vorstand ist nach den Planungen nicht gegeben. Die Besuche durch den Geschäftsführer sind ausreichend. Selbst für notarieller Beglaubigungen sind inzwischen Vollmachten durch den Vorsitzenden ausreichend.Der Geschäftsführer des Verbandes nimmt in der Regel seine Pflicht einmal pro Jahr vor Ort wahr. 2013-2016 sowie 2018 war er jeweils einmal im Jahr in der Einrichtung und bei den zuständigen Behörden. 2017 war er zwei Mal vor Ort, da zusätzlich ein Termin für die offizielle Eröffnung der Kita anstand. Die Kosten wurden nach dem Prinzip der Sparsamkeit eingehalten. Das bezieht sich auf günstige Flüge (z.B. 69 Euro pro Flug und z.B. günstige Hotelbuchungen für Halbpension 60 Euro/Nacht).

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