Stellungnahme des AWO Kreisverbandes Schwerin-Parchim e.V. zur Fachkräftegewinnung auf Mallorca

Seit Anfang Oktober 2018 wird in den Medien über das Engagement des AWO Kreisverbands Schwerin-Parchim e.V. zur Fachkräftegewinnung auf Mallorca mehr oder weniger sachlich, mehr oder weniger auf der Basis von Fakten statt Klischees und Vorurteilen berichtet. Die Berichte machen sich fest an der „AWO - Deutsch Internationaler Kindergarten Sa Planera SLU“ in Santa Maria del Camí.

Das Projekt wurde ab 2015 sowohl öffentlich als auch vereinsintern kommuniziert. Es wurde im regionalen Radiosender und in der im Raum Schwerin relevanten Zeitschrift „Hauspost“ (70.000 Haushalte) berichtet. Die aktuelle Thematisierung und ihre Schärfe begründen sich offensichtlich aus folgenden Quellen:

  • „Mallorca“ ist ein mit Klischees und Vorurteilen belasteter Begriff, der mit „Millionärsinsel“ und „Urlaub“ gleichgesetzt wird. „Mallorca“ steht in den Köpfen leider nicht für die Realität von sehr hoher Jugendarbeitslosigkeit auch im akademischen Bereich und extremer Ausbeutung in der touristischen Dienstleistung.
  • In Mecklenburg-Vorpommern ist der AWO Kreisverband Müritz Opfer kriminellen Aktivitäten seines damaligen Vorsitzenden und des Geschäftsführers geworden. Dieser Vorgang kam 2016 ans Licht.
  • Der Landesrechnungshof hat 2015 die Sozialverbände und insbesondere die Arbeiterwohlfahrt angegriffen. Die LIGA der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege hat diese Angriffe deutlich zurückgewiesen und widerlegt.
  • Der Landtag musste im Januar 2017 auf Antrag der AfD (Minderheitenrecht) einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) einsetzen, der die Landesmittel für die LIGA in Mecklenburg-Vorpommern klären soll. Zur Erinnerung: die AWO hat frühzeitig und deutlich einen Unvereinbarkeitsbeschluss zur AfD gefasst.

In den letzten Jahren hat sich die Landschaft für die Sozialverbände und insbesondere die Arbeiterwohlfahrt also erheblich verändert.

An dieser Stelle informiert nun der Vorstand. Wir tun dies auf der Grundlage der Beantwortung eines Fragenkatalogs durch Bundes- und Landesverband.

Wir erwarten nicht, dass Jeder die Rahmenbedingen, unsere Beweggründe und unser Tun so sieht wie wir. Wir erwarten aber, dass man wenigstens akzeptiert, dass es diese Rahmenbedingen und Beweggründe gibt und wir unser Tun sorgfältig abgewogen haben.

Wer angesichts des bestehenden und wachsenden Fachkräftemangels besser Strategien weiß, sollte sich melden. Wir werden es prüfen!

Die AWO fördert gemäß ihrem Verbandsstatut Projekte im In- und Ausland. Ein Weg zu einem Sozialen Europa für Alle ist die Transnationale Zusammenarbeit anhand konkreter Projekte. Ein solches Projekt haben wir auf Mallorca.

Alle Bereiche in Mecklenburg-Vorpommern sind von Fachkräftemangel geprägt. Auch die Bereiche Erziehung und Pflege sind betroffen. Das wesentliche Problem sind die fehlenden Menschen. Und es wird noch schwieriger: bei uns sind mit knapp 300 Mitarbeiter*innen rund 43 % der Beschäftigten über 50 Jahre. Die Perspektive sollte wohl kaum die Schließung von bedarfsgerechten Einrichtungen sein.

Die Anwerbung von Fachkräften/Arbeitsmigration ist Bestandteil einer nationalen Strategie, um dem Fachkräftemangel nachhaltig zu begegnen (AWO-Positionspapier - Anwerbung ausländischer Fachkräfte in der Pflege). Wir beschäftigen bei uns bereits jetzt Mitarbeiter*innen aus 11 Nationen. Über das EU-Projekt „MobiPro“ arbeiten heute mallorquinische Mitarbeiter*innen in Schwerin in der Pflege.

Mit der Teilnahme am EU-Projekt für den Pflegebereich „MobiPro“ ab 2013 lagen ein Modell auch für die Erziehung und die Zielregion auf der Hand. Mit der Universitat de les Illes Balears in Palma war eine angemessene Fachausbildungsstätte gegeben.

Es ist unser Ziel, das Qualitätsniveau zu halten bzw. weiter auszubauen. Wir brauchen also eine ausreichende Anzahl von Personen, die auch über die notwendigen Qualifikationen verfügen. Die Anwerbung von spanischen Fachkräften ist kein kompliziertes zuwanderungsrechtliches Problem, sondern nur noch eines von Angebot und Nachfrage, bei dem zu klären ist, ob die Qualifikation und die damit einhergehenden Fähigkeiten und Fertigkeiten dem Anforderungsprofil in der Bundesrepublik entspricht (AWO-Positionspapier).

Die Jugendarbeitslosigkeit auf Mallorca ist hoch. Trotz Abschlüssen an der Universitat de les Illes Balears in Palma sind die Chancen auf einen Arbeitsplatz im gelernten Beruf schlecht.

Der AWO - Deutsch Internationaler Kindergarten Sa Planera SLU in Santa Maria del Camí ist ab dem Januar 2019 Praktikumsstandort für die Universitat de les Illes Balears in Palma. Liegen mindestens grundlegende Sprachkenntnis vor, stehen auch Praktika in Deutschland keine wesentlichen Hindernisse entgegen. Dabei halten wir uns an die Anforderungen des AWO-Positionspapiers und handeln in sozialer, wirtschaftlicher und internationaler Verantwortung (AWO-Leitsätze):

- sprachliche und kulturelle Vorbereitung,

- Berücksichtigung der Ausbildung und des Berufsbildes / der beruflichen Identifikation im Herkunftsland,

- in Deutschland gleiche Bedingungen für alle Kolleg*innen,

- integrative Gestaltung der Bedingungen am Arbeitsplatz,

- freie Option bzgl. Rückkehr ins Herkunftsland oder Verbleib in Deutschland sowie

- soziale Begleitung und Eingewöhnung in Deutschland.

Wenn es zu einer langfristigen Zusammenarbeit in Deutschland kommen soll, ist ein „Zertifikat B2“ Voraussetzung.

Nach langer und intensiver Diskussion, sowohl im Vorstand als auch in unserer Fachabteilung, wurde 2015 entschieden, das Projekt zu beginnen. Wir wollten für die Absolventen der Universitat de les Illes Balears in Palma als Praktikumsbetrieb attraktiv sein. Das Erlangen aller mallorquinischen Lizenzen und Zustimmungen (neben der kongruenten Anwendung der in Mecklenburg-Vorpommern gültigen Vorschriften) für eine ausdrücklich bilinguale Kindertagesstätte war sowohl unser eigener Anspruch als auch Voraussetzung für eine attraktive Kooperation.

Jäh unterbrochen wurden der Aufbau und die Entwicklung der Kita mit der Kündigung der Räume in Sa Planera. Wir haben uns mit den Behörden beraten. Nach dem positivem Votum der Conselleria (Bildungsministerium) hat der Vorstand beschlossen, das Projekt fortzuführen. Das neue Objekt musste

  1. a) nach der spanischen gesetzlichen Regelung für den Betrieb von öffentlichen Einrichtungen in der „Zone Urbana“ (Stadtregion) liegen und
  2. b) wirtschaftlich für die Projekt-Kita betreibbar sein.

Mit der Conselleria wurden die jeweiligen Objekte geprüft.

Wenn im zur Verfügung stehenden Zeitraum trotz der immensen, auch behördlichen, Unterstützung keine geeignete Immobilie gefunden worden wäre, hätte die Entscheidung des Vorstands auf Einstellung des Projekts lauten müssen.

Nach Prüfen von ca. 60 Immobilien war diese Immobilie die einzige, die spanische und deutsche Auflagen (auch zur Außenfläche) für eine Kita erfüllte. Der Betrieb der Projekt-Kita war in der Immobilie wirtschaftlich darstellbar. Sollte das Projekt einmal beendet werden, ist das hochwertige Grundstück aufgrund der im örtlichen Bebauungsplan festgelegten Entwicklungs-/Bebauungsoptionen sehr gut zu veräußern.

Es wurden bislang zwei (bebaute) Teilgrundstücke erworben. Der Kaufpreis ist in mehreren Raten bis Juni 2019 zu leisten. Sollte die Kita sich weiter entwickeln können, besteht die Option für ein weiteres (unbebautes) Teilgrundstück.

Der Betrieb erfolgt nach den rechtlichen Vorgaben in Mecklenburg-Vorpommern und auf Mallorca. Alle behördlichen Genehmigungen liegen vor. Die Genehmigungsveröffentlichung im Gesetzblatt der Balearen steht ebenso kurz bevor (als bislang einzige eigenständige Kita auf der Insel).

Die Kita wird von der AWO - Deutsch Internationaler Kindergarten Sa Planera SLU in Santa Maria del Camí betrieben. Die SLU ist eine Gesellschaft im Eigentum des AWO Kreisverbandes Schwerin-Parchim e.V. (in Deutschland übliches Modell).

Die Kita hat eine lizensierte Kapazität von 36 Kindern. Es werden Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren betreut. Daten zur familiären Herkunft werden nicht erhoben.

Der Kindergarten erhält keine Förderung

  • von der Bundesrepublik Deutschland,
  • aus öffentlichen Mitteln des Landes Mecklenburg-Vorpommern
  • von Gebietskörperschaften, in denen der AWO Kreisverband Schwerin-Parchim e.V. oder die AWO Soziale Dienste gGmbH Westmecklenburg tätig sind
  • von sonstigen Kostenträgern, mit denen der AWO Kreisverband Schwerin-Parchim e.V. oder die AWO Soziale Dienste gGmbH Westmecklenburg Verträge unterhalten.

In der Kita arbeiten 2 spanische und 1 deutsche pädagogische sowie die Leiterin und ein technisch/kaufmännischer Mitarbeiter. Das Gebäude wird während der Öffnungszeiten als Kindertagesstätte genutzt. Details sind auf der Seite der Kita www.awo-kindergarten-mallorca.com veröffentlicht.

Der Vorstand war 2016 und 2018 auf Mallorca. Die Kosten wurden (abzüglich des Eigenanteils in 2018) vom Kreisverband getragen.

Alle Dienstreisen wurden nach eigenen Entscheidungen von (Ehe-)Partnern begleitet und stets selbst bezahlt. Aufgrund der stressigen Reisebedingungen und der bei beiden Aufenthalten langen Vorstandssitzungen in der Kita ist eine nochmalige Begleitung durch Partner eher unwahrscheinlich.

2016 wurde die Reise durch den Vorsitzenden veranlasst. Hintergrund war der Abschluss der ersten Aufbauphase der Kita am damaligen Standort in Sa Planera.

2018 war die Reise erforderlich, da nach dem erzwungenen Standortwechsel Eigentum erworben wurde. Details der Konzeption waren angepasst. Die Reise wurde verschoben, da im Juli Vorstandswahlen anstanden und mögliche neue Vorstandsmitglieder selbstverständlich auf dem gleichen Wissensstand sein sollten.

Aktuell besteht aus Sicht des Vorstandes kein Erfordernis für einen weiteren Kurz(arbeits)besuch auf Mallorca.

Der Geschäftsführer war im Rahmen des EU-Projekts „MobiPro“ seit 2013 jährlich einmal auf Mallorca. Die Kosten dieser Dienstreisen wurde von der AWO Soziale Dienste gGmbH – Westmecklenburg getragen.

Als ehrenamtlicher Geschäftsführer des AWO Kreisverbandes Schwerin-Parchim e.V.) reiste er 2015 (Notartermin), 2016 (Kita-Vorstandssitzung), 2017 (Kitaeröffnung), 2018 (Kita-Vorstandssitzung) nach Mallorca. Die Kosten dieser Dienstreisen trug der Kreisverband.

Geplant sind 1 x jährliche Einsätze des Geschäftsführers in Vorbereitung der Jahresabschlüsse, Mitarbeitergespräche entsprechend QM.

Die Kita läuft am jetzigen Standort seit Dezember 2017. Niemand kann vor 2020 seriös entscheiden, ob unser Projekt für die Fachkräftegewinnung ein Erfolg ist.

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