Wenn die eigenen vier Wände zu einem Ort der Gewalt werden

Quelle: https://www.svz.de/25026947 ©2019 Für viele Frauen ist in Schwerin das eigene Zuhause ein gefährlicher Ort, an dem Angst und Demütigung herrschen. Liane Dommer, die Leiterin des AWO-Frauenhauses, weiß, wovon sie spricht. In ihrer Einrichtung hat sie täglich das Leid der Damen vor Augen. Schlimme Fälle zum Teil. „Soweit mir bekannt ist, hat es bereits in Schwerin vor Jahren einen Todesfall gegeben, der mit häuslicher Gewalt in Verbindung stand“, erzählt die 54-Jährige, die seit 2008 der Zufluchtsstätte vorsteht und seit 14 Jahren dort arbeitet.

 „Im vergangenen Jahr wohnten 98 Betroffene in unserem Frauenhaus. Darunter auch Kinder.“ Die ambulante Beratung sei von 260 Hilfesuchenden genutzt worden. Diese stehe übrigens auch Männern zur Verfügung. „Da die Polizei nicht von allen Taten erfährt, dürfte die Dunkelziffer weitaus größer sein“, fügt Dommer hinzu. Für die Fachfrau steht zudem fest: Nirgendwo in Deutschland seien Frauen stärker bedroht als in ihren eigenen vier Wänden. Das sei seit Jahren bekannt. Doch es rege sich über die Gewalt hinter verschlossenen Türen kaum jemand auf. „Eine breite Woge der gesellschaftlichen Empörung vermisse ich bis heute“, sagt Dommer.

Doch wann fängt häusliche Gewalt an? „Sie ist ein System von Taten. Die Schlinge zieht sich manchmal sehr langsam zu. Häusliche Gewalt läuft oft auf perfide Art und Weise ab. Nicht nur körperlich und sexuell, sondern vor allem psychisch.“ Wie beispielsweise extreme Eifersucht, Kontrollwahn, Umgangs- und Arbeitsverbot oder Geldentzug. „Kommt es zu Handgreiflichkeiten, ist eine rote Linie überschritten.“ Ob es mehr Fälle gebe, könne sie schlecht beurteilen, sagt Liane Dommer. Auf jeden Fall verlören jedoch immer mehr Frauen ihre Hemmungen und holten sich Hilfe, um aus ihrem familiären Dilemma auszubrechen. „Die Frauen kommen, sinnbildlich gesprochen, mit zunehmend größeren Rucksäcken zu uns, haben Schulden, die ihre Partner gemacht haben, sind von Wohnungslosigkeit bedroht, fürchten um das Sorgerecht für ihre Kinder. Sie sind oft erstaunt, welche Hilfe es für sie gibt.“ Und dass sie nicht gesetz- und rechtlos seien, wie ihnen oft vorgegaukelt werde.

Liane Dommer: „Ich höre ganz oft von Frauen den Satz, wenn sie das alles schon früher gewusst hätten, wären sie niemals so lange bei ihrem gewalttätigen Partner geblieben.“ Ihnen dabei zu helfen, einen neuen Lebensweg einzuschlagen, bereite ihr persönlich ein gutes Gefühl. „Nur 28 Prozent der Frauen, die wir vorübergehend aufnehmen, werden rückfällig. Der Rest schafft es, sich aus der Gewaltbeziehung zu lösen.“ Einige bräuchten auch mitunter zwei oder drei Anläufe. „Doch dann klappt der Absprung.“

Dass sich Partnergewalt durch die gesamte Gesellschaft ziehe, berichtet die Frauenhauschefin weiter. „Wir haben in den zurückliegenden Jahren festgestellt, dass Frauen in höheren Bildungs- und Einkommensschichten nicht seltener von schwerer Partnergewalt betroffen sind.“ Der Unterschied sei nur, dass in besseren Kreisen Unangenehmes besser verschleiert werde. Dommer: „Die Gewalt wird nach außen weniger sichtbar. Die Scham ist größer, der Hilferuf leiser.“

Hintergrund: traurige Statistik

  • Jeden Tag versucht irgendwo in Deutschland ein Mann, seine Frau oder Partnerin zu töten, an jedem dritten Tag gelingt es. Erschossen, erstochen oder totgeprügelt.
  • 141 Opfer hat die Polizei 2017 bundesweit gezählt. Fast die Hälfte der Opfer lebte mit dem Peiniger in einem Haushalt.
  • Von Stalking, sexueller Nötigung bis zur Körperverletzung sei alles dabei. So ist es einer schockierenden Statistik des Bundeskriminalamtes zu entnehmen.
  • 114 000 Fälle partnerschaftlicher Gewalt gibt es deutschlandweit pro Jahr – und die Tendenz ist weiterhin stark steigend – Quelle: https://www.svz.de/25026947 ©2019

Hintergrund: Traurige Statistik

  • Jeden Tag versucht irgendwo in Deutschland ein Mann, seine Frau oder Partnerin zu töten, an jedem dritten Tag gelingt es. Erschossen, erstochen oder totgeprügelt.
  • 141 Opfer hat die Polizei 2017 bundesweit gezählt. Fast die Hälfte der Opfer lebte mit dem Peiniger in einem Haushalt.
  • Von Stalking, sexueller Nötigung bis zur Körperverletzung sei alles dabei. So ist es einer schockierenden Statistik des Bundeskriminalamtes zu entnehmen.
  • 114 000 Fälle partnerschaftlicher Gewalt gibt es deutschlandweit pro Jahr – und die Tendenz ist weiterhin stark steigend.
– Quelle: https://www.svz.de/25026947 ©2019

Hintergrund: Traurige Statistik

  • Jeden Tag versucht irgendwo in Deutschland ein Mann, seine Frau oder Partnerin zu töten, an jedem dritten Tag gelingt es. Erschossen, erstochen oder totgeprügelt.
  • 141 Opfer hat die Polizei 2017 bundesweit gezählt. Fast die Hälfte der Opfer lebte mit dem Peiniger in einem Haushalt.
  • Von Stalking, sexueller Nötigung bis zur Körperverletzung sei alles dabei. So ist es einer schockierenden Statistik des Bundeskriminalamtes zu entnehmen.
  • 114 000 Fälle partnerschaftlicher Gewalt gibt es deutschlandweit pro Jahr – und die Tendenz ist weiterhin stark steigend.
– Quelle: https://www.svz.de/25026947 ©2019

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