Willkommen in der Mädchengruppe

Gemeinschaft wird groß geschrieben

Artikel Hauspost/Dezember 2016
Vier Mädchen im Teenager-Alter besuchen seit diesem Jahr die neue Mädchengruppe der AWO. Hier entscheiden sie gemeinsam, wie sie ihre Freizeit gestalten möchten. Mal ist es eine Fahrt nach Boltenhagen, ein kreatives Kürbisschnitzen oder „Activity”- Spielen. Zum Jubiläum im nächsten Jahr ist ein Ausflug ins Spaßbad Wonnemar geplant. Am 1. Juli rief Kirsten Blocksdorff, Leiterin der Ambulanten Hilfen und des Betreuten Wohnens für Jugendliche, gemeinsam mit ihrem Team die erste Mädchengruppe ins Leben. „Der Bedarf war da. Das hat auch das Jugendamt erkannt, als hitzig über die sogenannte Schlosspark- Center-Clique diskutiert wurde. Junge Mädchen aus schwierigem Umfeld suchen einen Rückzugsort, an dem sie frei entscheiden können, worüber sie reden möchten.
Einen Platz, an dem sie keine Erwartungen erfüllen müssen, sondern einfach so sein können, wie sie sind und das tun können, worauf sie Lust haben”, erklärt Kirsten Blocksdorff. Hilfeerfahrene Mädchen zwischen zwölf und 16 Jahren können seit diesem Jahr, in Abstimmung mit dem Jugendamt, das Gruppenangebot nutzen. Vier 13-jährige Mädchen tun das derzeit regelmäßig am Donnerstag um 14.30 Uhr. Zwar ist es kein Pflichttermin, aber sie stehen trotzdem jede Woche pünktlich vor der Tür der Ambulanten Hilfen zur Erziehung.
„Ihre größte Angst war vorher, dass sie hier wieder im Stuhlkreis sitzen und mit Erwachsenen über ihre Probleme reden müssen. Die vier haben aber schnell gemerkt, dass es bei uns vor allem darum geht, zu lachen und Spaß zu haben“, sagt Sophie Heiselbetz. Was sie besonders schätzen, ist das Vertrauen, das ihnen von den Mitarbeite-rinnen entgegengebracht wird und das sie deshalb gern zurückgeben. „Am schönsten war es, als die Mädels uns von sich aus ihr Geheimversteck zeigten. Das kennt sonst niemand, auch nicht ihre Eltern und uns haben sie quasi dorthin gezerrt”, erinnert sich Sophie Heiselbetz.

Gemeinsame Zeit ist wichtig und tut gut
Die Jugendlichen, die in die Mädchengruppe kommen, suchen nach Zuwendung und Verständnis und genau das bekommen sie in der Wismarschen Straße 151. „Einige sind es von Zuhause nicht gewohnt, gemeinsam zu essen. Wenn, dann ist der einzige Unterhalter dabei der Fernseher. Wir essen oft mit ihnen zusammen. Dabei entstehen die besten Gespräche”, so Heike Wojak. Weil sie sich so willkommen fühlen, erzählen die Jugendlichen von sich aus gern, was sie belastet und geben sich gegenseitig Ratschläge und neuen Mut. Sie wissen alle vier selbst noch nicht genau, wer sie sind und was sie wollen.

Erwachsenwerden mit Unterstützung
Kleinste Entscheidungen fallen ihnen schwer, weil sie sehr abhängig von der Meinung anderer sind. Viele Mädchen in dem Alter werden nicht wahrgenommen, geschweige denn akzeptiert. Einige, weil sie unter vielen Geschwistern unter-gehen, andere, weil sie plötzlich die Rolle der Mutter ersetzen müssen. „Die Jugendlichen tragen so viel Last auf ihren kleinen Schultern herum”, sagt Heike Wojak. Trotz der ernsten Lage stecken die Sozialpädagoginnen die 13-Jährigen mit ihrem Sinn für Humor und ihrer Lebensfreude regelrecht an. Ganz nebenbei lernen die Mädchen etwas fürs Leben. So wird bei Popcorn und Cola der Film „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” zusammen geschaut und darüber diskutiert oder ein intensives Gespräch über Verhütungsmittel begonnen.
Diese Kombination aus Spaß, Lernen und „eigene Wege gehen” überträgt sich schließlich auch auf den Umgang in den Familien der Jugendlichen. Sie sind gerade dabei, erwachsen zu werden und können so unbewusst lernen, im Leben besser klar zu kommen. Die Mädchengruppe bietet ihnen einen Raum, in den sie sich zurückziehen können, wenn Sie Ärger mit der Familie, Stress in der Schule oder Liebeskummer haben.
(jb)

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